Das Wichtigste in Kürze
- Faustformel für eine gerade Linie: Felder = Länge ÷ 3,50 m, Füße = Felder + 1.
- Planen und Banner vervielfachen die Windangriffsfläche: Stützen und Ballast richten sich nach Herstellerangaben.
- Die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers ist die maßgebliche Grundlage für Standsicherheit.
- Ein Bauzaun ist weder Absturzsicherung noch Bühnenbarriere.
- Jedes Fluchttor in der Zaunlinie muss in voller Breite zu öffnen sein und frei bleiben.
Inhalt10
- 01Mengen rechnen: Felder, Füße, Schellen
- 02Standsicherheit: Wind, Planen und Ballast
- 03Untergrund: Asphalt, Rasen, Gefälle
- 04Zaunlinie und Rettungswege zusammen planen
- 05Bauzaun, Absperrgitter oder Bühnenbarriere
- 06Aufbau und Abbau im Ablauf
- 07Kontrolle während der Veranstaltung
- 08Materialbedarf für eine gerade Zaunlinie
- 09Checkliste Bauzaun für dein Event
- 10Häufige Fragen
Mengen rechnen: Felder, Füße, Schellen
Für die Materialbestellung reicht eine einfache Rechnung. Teile die Länge jeder Zaunlinie durch die Feldbreite deines Systems, bei den üblichen Elementen rund 3,50 m, und runde auf.
- Felder: Länge ÷ 3,50 m, aufgerundet
- Füße: bei einer geraden, offenen Linie Felder + 1, bei einem geschlossenen Ring genauso viele wie Felder
- Schellen: mindestens eine je Stoß; mit Planen oder bei Wind nach Herstellerangabe zusätzlich
- Stützen mit Ballast: nach Herstellerangabe, abhängig von Bespannung und Windlage
- Tore: Torfelder oder Torflügel separat zählen, ebenso Ecken und Anschlüsse an Gebäude
Zähle die Linien im Geländeplan einzeln: Außenzaun, Backstage-Abgrenzung, Technikbereiche, Lieferzone. Plane ein paar Felder, Füße und Schellen als Reserve ein. Auf dem Gelände fällt fast immer eine Linie länger aus als auf dem Plan, und ein fehlendes Feld hält den ganzen Aufbau auf.
Standsicherheit: Wind, Planen und Ballast
Ein unbespannter Gitterzaun bietet dem Wind wenig Fläche. Eine Plane oder ein Werbebanner verwandelt jedes Feld in eine geschlossene Fläche von rund 7 m², und der Winddruck wirkt auf die gesamte Fläche. Genau dann kippen Zaunlinien, meist kettenartig, weil die Schellen die Felder miteinander verbinden.
Für die Standsicherheit gilt deshalb:
- Grundlage ist die Aufbau- und Verwendungsanleitung des Herstellers. Sie legt fest, bis zu welcher Windlast der Zaun mit welcher Bespannung, wie vielen Stützen und welchem Ballast steht. Halte dich an diese Werte und rate nicht.
- Windbelastungen werden statisch nach DIN EN 1991-1-4 (Eurocode 1) ermittelt. Bei großen bespannten Flächen oder exponierter Lage lohnt ein Nachweis durch einen Statiker.
- Windgitter-Planen mit offener Struktur reduzieren die Last, ersetzen aber keine Stützen.
- Lege im Sicherheitskonzept fest, ab welcher Windwarnung Planen abgenommen werden und wer das macht.
Wichtig zur Einordnung: DIN EN 13374 regelt temporäre Seitenschutzsysteme gegen Absturz, etwa an Bühnenkanten oder Gruben. Ein Bauzaun ist kein Seitenschutz und darf nicht als Absturzsicherung verwendet werden.
Untergrund: Asphalt, Rasen, Gefälle
Der Untergrund entscheidet darüber, wie gut Füße und Ballast wirken.
- Asphalt und Pflaster: Füße liegen satt auf, rutschen bei nasser Oberfläche aber leichter. Erdnägel sind hier keine Option.
- Rasen und Sand: Füße sinken bei Regen ein und Felder neigen sich. Unterlegplatten oder zusätzlicher Ballast helfen. Bevor du Erdnägel oder Heringe setzt, kläre mit dem Geländebetreiber, wo Leitungen liegen.
- Gefälle: Felder senkrecht ausrichten, nicht dem Hang folgen lassen. Schräge Felder belasten Füße und Schellen einseitig.
- Übergänge: Wo eine Zaunlinie über Kabeltrassen oder Bordsteine läuft, entstehen Lücken und Kipppunkte, die du gesondert sicherst.
Fotografiere Rasenflächen vor dem Aufbau. Fußabdrücke von Betonfüßen und Fahrspuren sind beim Abbau sonst schnell ein Streitpunkt.
Zaunlinie und Rettungswege zusammen planen
Jeder Zaun, der ein Gelände abschließt, schneidet auch die Fluchtwege. Plane die Fluchttore deshalb zusammen mit der Zaunlinie, nicht nachträglich. Die Gesamtbreite der Ausgänge ergibt sich aus der Besucherzahl; bei Open Airs sind das nach MVStättVO 1,20 m je 600 Besucher, jede Einzelbreite mindestens 1,20 m. Wie du das berechnest, steht im Ratgeber Fluchtwege auf Open Airs.
Für den Aufbau heißt das:
- Fluchttore in voller Breite öffenbar, nicht mit Schellen oder Kabelbindern dauerhaft verschlossen
- Torflügel so führen, dass sie beim Öffnen nicht umkippen
- Feuerwehrzufahrten mit mindestens 3,00 m lichter Breite freihalten
- Tore beidseitig kennzeichnen und nach Plan mit Ordnern besetzen lassen
Eine spontane Verlegung der Zaunlinie vor Ort, zum Beispiel weil eine Lieferzone größer wird, muss deshalb immer mit dem Veranstaltungsleiter abgestimmt werden.
Bauzaun, Absperrgitter oder Bühnenbarriere
Nicht jede Absperrung erfüllt jeden Zweck. Ein Bauzaun ist für die Abgrenzung von Flächen gemacht, nicht dafür, Menschenmengen zurückzuhalten.
- Bauzaun: Geländeeinfriedung, Backstage, Technik- und Lagerbereiche, Sichtschutz mit Plane
- Absperrgitter (Hamburger Gitter): Besucherlenkung, Einlassgassen, Warteschlangen, schnelle Umbauten
- Bühnenbarriere (Front-of-Stage): steht vor der Bühne und muss dem Druck einer Menge standhalten. Für Abschrankungen in Zuschaueranlagen gibt es mit DIN EN 13200-3 eine eigene Norm.
Setze einen Bauzaun nie dort ein, wo Publikum dagegen drücken kann, etwa vor der Bühne oder in engen Einlassbereichen. Dort gehören Systeme hin, die für Personenlasten ausgelegt sind.
Aufbau und Abbau im Ablauf
Ein Zaunaufbau läuft am schnellsten in fester Reihenfolge:
- Linie und Torpositionen nach Plan abstecken
- Füße auslegen und ausrichten
- Felder einsetzen, in Zweierteams pro Feld
- Schellen setzen und festziehen
- Stützen und Ballast anbringen
- Planen und Banner erst zum Schluss
Beim Abbau gilt die umgekehrte Reihenfolge: Planen zuerst ab, damit der Zaun beim Lösen der Schellen nicht im Wind kippt. Im öffentlichen Straßenraum brauchst du zusätzlich eine verkehrsrechtliche Anordnung; die Absicherung richtet sich dann nach den RSA 21.
Die größte Zeitfrage ist meist der Materialtransport über das Gelände, nicht das Stellen selbst. Plane Hänger, Stapler oder Teleskoplader und deren Fahrwege mit ein. Unsere Sitecrew arbeitet mit eigenem Hänger, Werkzeug und Material aus unserem Lager in Bielefeld; wie die Aufgaben einer Sitecrew allgemein aussehen, erklärt der Ratgeber Sitecrew buchen.
Kontrolle während der Veranstaltung
Ein Zaun, der morgens steht, steht abends nicht unbedingt noch. Lege Kontrollgänge fest: nach dem Aufbau als Abnahme, nach Sturm oder Starkregen, nach Umbauten und vor dem Einlass. Achte auf gelockerte Schellen, eingesunkene Füße, verschobene Felder, gelöste Planen und Stellen, an denen Besucher den Zaun überklettern oder aushebeln. Halte Auffälligkeiten mit Uhrzeit fest und melde Änderungen an Toren immer an die Veranstaltungsleitung.
Materialbedarf für eine gerade Zaunlinie
Beispielrechnung mit Standardfeldern von 3,50 m Breite:
| Zaunlänge | Felder | Füße | Schellen | Stützen und Ballast |
|---|---|---|---|---|
| 500 m (offene Linie) | 143 | 144 | mindestens 142 (1 je Stoß) | nach Herstellerangabe, bei Plane deutlich mehr |
Ohne Tore, Ecken und Reserve. Feldmaß deines Systems prüfen; Stützen und Ballast nie schätzen, sondern der Aufbauanleitung entnehmen.
Checkliste Bauzaun für dein Event
Tippe die Punkte an, die du schon erledigt hast.
Häufige Fragen
Rechne mit Zweierteams, weil ein Feld sicher zu zweit eingesetzt wird. Für eine längere Außenlinie arbeiten meist mehrere Teams parallel: eines legt Füße aus, eines setzt Felder, eines sichert mit Schellen, Stützen und Ballast. Die Gesamtzahl hängt vor allem davon ab, wie weit das Material getragen oder gefahren werden muss und wie viel Zeit bis zum Einlass bleibt.