Das Wichtigste in Kürze
- Der Runner ist der mobile Arm des Produktionsbüros. Er hält anderen den Rücken frei, damit niemand aus der Crew das Gelände verlassen muss.
- Grundvoraussetzung ist fast immer der Führerschein Klasse B, oft mit Transporter bis 3,5 t.
- Vor dem Einsatz klären: Fahrzeug, Versicherung, Bargeldkasse oder Firmenkarte und wie Belege abgerechnet werden.
- Fahrtzeiten sind Arbeitszeit. Nach einem langen Tag gehört kein müder Runner mehr ans Steuer.
Inhalt10
- 01Was ein Runner macht
- 02Aufgaben nach Phase
- 03Ein typischer Tag als Runner bei einem Konzert
- 04Fahrzeug, Geld, Belege: Was vorher geklärt sein muss
- 05Fähigkeiten und PSA
- 06Runner, Stagehand, Fahrer: die Abgrenzung
- 07Wann sich ein Runner lohnt
- 08Wie viele Runner brauchst du?
- 09Checkliste: Runner-Einsatz vorbereiten
- 10Häufige Fragen
Was ein Runner macht
Ein Runner ist für alles zuständig, was außerhalb des eigenen Arbeitsplatzes besorgt, gebracht oder abgeholt werden muss. Er bekommt seine Aufträge vom Produktionsbüro, dem Production Manager oder der Künstlerbetreuung und arbeitet sie nach Dringlichkeit ab.
Typische Aufträge:
- Besorgungen: Ersatzteile im Elektro- oder Baumarkt, Batterien, Gaffa, Kabelbinder, Werkzeug
- Einkäufe für Garderoben: Getränke, Snacks und Handtücher nach dem Hospitality Rider der Künstler
- Fahrten: Crew oder Gäste zum Hotel, Bahnhof oder Flughafen bringen und abholen
- Botengänge: Funkgeräte, Akkreditierungen, Setlisten und Unterlagen zwischen Büro, Bühne und Backstage
- Nachschub: Essen für die Crew, Eis, Wasser, Verbrauchsmaterial
Der Wert eines Runners liegt darin, dass Techniker und Produktionsleitung an ihrem Platz bleiben können. Jede Fahrt zum Baumarkt, die ein Techniker selbst machen müsste, fehlt beim Aufbau.
Aufgaben nach Phase
Über einen Produktionstag verschieben sich die Aufgaben deutlich.
Vorbereitung: Am Vortag oder frühen Morgen kauft der Runner die Rider-Positionen ein, bestückt Garderoben und Produktionsbüro, holt Mietmaterial ab und tankt oder lädt das Fahrzeug.
Aufbau: Jetzt kommt die meiste Arbeit. Beim Load-In fehlt fast immer etwas: ein Adapter, eine Rolle Gaffa, ein Ersatzleuchtmittel. Der Runner fährt los, sobald eine Liste steht, und bündelt möglichst mehrere Wünsche in einer Tour.
Show: Er holt Künstler oder Gäste ab, besorgt Last-Minute-Wünsche und bleibt erreichbar. Viele Runner sind in dieser Phase im Backstage in Bereitschaft.
Abbau und Abreise: Mietmaterial zurückbringen, Crew oder Gäste zum Hotel oder Bahnhof fahren, Belege und Restgeld mit dem Produktionsbüro abrechnen.
Ein typischer Tag als Runner bei einem Konzert
So kann ein Tag bei einem Hallenkonzert mit Tour-Produktion aussehen:
- 09:00 Treffen im Produktionsbüro, Übergabe von Fahrzeugschlüssel, Bargeldkasse und Einkaufsliste
- 09:30 bis 11:30 Großeinkauf für Garderoben und Crew-Catering, Garderoben bestücken
- 11:30 bis 15:00 Besorgungsfahrten während des Load-Ins: Elektromarkt, Baumarkt, Apotheke
- 15:00 Pause
- 16:00 Gäste der Produktion am Bahnhof abholen
- 17:00 bis 19:00 kleine Botengänge, Nachschub für Catering und Garderoben
- 19:00 Abrechnung der Belege, Übergabe von Restgeld und Schlüssel, Ende der Schicht
Das sind rund 9,5 Stunden mit Pause. Wird ein Runner bis nach der Show gebraucht, etwa für Hotelfahrten um Mitternacht, plant man dafür eine zweite Person ein. Das Arbeitszeitgesetz erlaubt höchstens 10 Stunden am Tag, und auch die Fahrtzeit zählt mit.
Fahrzeug, Geld, Belege: Was vorher geklärt sein muss
Die meisten Probleme mit Runnern entstehen nicht beim Fahren, sondern bei der Organisation drumherum. Kläre vor dem Einsatz:
- Fahrzeug: Produktionsfahrzeug, Mietwagen oder Privat-Pkw? Wer haftet bei Schäden, und ist das Fahrzeug für fremde Fahrer versichert?
- Führerschein: Klasse B reicht für Pkw und Transporter bis 3,5 t. Mit Anhänger reicht Klasse B, solange der Anhänger höchstens 750 kg wiegt oder der ganze Zug unter 3,5 t bleibt. Darüber brauchst du B96 oder BE.
- Geld: Bargeldkasse mit festem Betrag oder Firmenkarte, dazu klare Regeln, bis zu welchem Betrag der Runner selbst entscheidet.
- Belege: Jede Ausgabe mit Beleg, gesammelt und am Ende gegen das Restgeld abgerechnet.
- Zugang: Akkreditierung und Parkberechtigung für die Zufahrt zum Backstage, sonst steht der Runner mit dem Ersatzteil vor dem Tor.
- Erreichbarkeit: Diensthandy oder Funkgerät, Ladekabel und Powerbank.
Wer diese Punkte schriftlich festhält, spart sich am Ende des Tages lange Diskussionen über fehlende Quittungen.
Fähigkeiten und PSA
Ein guter Runner ist schnell, aber nicht hektisch. Diese Fähigkeiten zählen:
- Ortskenntnis: Wo hat der nächste Baumarkt bis 20 Uhr geöffnet, wo gibt es sonntags Eis? Lokale Runner sind dafür unschlagbar.
- Organisation: Aufträge sammeln, Touren bündeln, Prioritäten klären. Eine lange Liste in einer Fahrt ist besser als fünf Einzelfahrten.
- Sicheres Fahren: auch mit Transporter, in fremden Städten und unter Zeitdruck, ohne Risiken einzugehen
- Diskretion: Wer Künstler oder Gäste fährt, erzählt nichts weiter und macht keine Fotos.
- Englisch: Tour-Crews und Künstler sind oft international.
Auch Runner brauchen PSA, sobald sie Ladezone, Bühne oder Gelände betreten: Warnweste im Bereich von Lkw und Staplern, Sicherheitsschuhe in Ladezonen und beim Tragen schwerer Teile, Gehörschutz im Backstage während der Show.
Runner, Stagehand, Fahrer: die Abgrenzung
Der Runner wird oft mit anderen Rollen verwechselt:
- Stagehand: arbeitet an der Bühne, entlädt Trucks und baut mit auf. Ein Runner verlässt dagegen ständig das Gelände. Mehr dazu in Was macht ein Stagehand?
- Shuttle-Fahrer: fährt nach festem Plan Künstler oder Gäste, oft mit größeren Fahrzeugen. Bei kleineren Produktionen übernimmt der Runner diese Fahrten mit.
- Production Assistant: arbeitet im Produktionsbüro an Plänen, Listen und Kommunikation. Der Runner ist sein Mann oder seine Frau draußen.
- Eventhelfer: unterstützt vor Ort beim Aufbau oder im Saal, fährt aber in der Regel nicht.
Wo der Runner im Gefüge der gesamten Crew steht, zeigt der Artikel Aufgaben einer Eventcrew.
Wann sich ein Runner lohnt
Ein Runner lohnt sich, sobald sonst jemand aus Technik oder Produktionsleitung für Besorgungen das Gelände verlassen müsste. Das ist bei fast jeder Produktion mit Tour-Crew der Fall, bei Festivals ohnehin.
- Konzert in der Halle: meist 1 Runner, bei großen Produktionen 2
- Festival: mehrere Runner, oft einer pro Bühne plus einer für das Produktionsbüro
- Messe und Kongress: Runner für Kurierfahrten, Druckerzeugnisse und Nachschub. Wie das auf Tagungen läuft, beschreibt der Artikel Personal für Tagung und Kongress.
- Firmenevent: oft reicht ein Runner, der zugleich kleine Aufbauarbeiten übernimmt
Runner gehören bei uns zum festen Angebot, zusammen mit Stagecrew, Sitecrew und Helfern. Alle Rollen findest du auf der Seite Leistungen.
Wie viele Runner brauchst du?
Ein Richtwert aus der Praxis für eine typische Produktion.
| Veranstaltung | Runner | Fahrzeug |
|---|---|---|
| Hallenkonzert mit Tour-Produktion | 1 bis 2 | Pkw oder Transporter bis 3,5 t |
Festivals mit mehreren Bühnen planen meist einen Runner pro Bühne plus einen für das Produktionsbüro.
Checkliste: Runner-Einsatz vorbereiten
Tippe die Punkte an, die du schon erledigt hast.
Häufige Fragen
Nicht unbedingt. Bei vielen Produktionen fährt der Runner ein Produktionsfahrzeug oder einen Mietwagen. Nutzt er seinen Privat-Pkw, sollten Kilometergeld und Haftung bei Schäden vorher schriftlich geregelt sein, denn eine private Kfz-Versicherung deckt nicht jeden dienstlichen Einsatz ohne Weiteres ab. Für größere Einkäufe ist ein Transporter fast immer die bessere Wahl.