Das Wichtigste in Kürze
- Maßgeblich ist der Produktionsumfang, nicht die Ticketzahl: Trucks, Bühnenbild, Rigging-Punkte und Zeitfenster.
- Tourproduktionen geben im Labour Call meist genau vor, wie viele Loader, Stagehands, Rigger und Staplerfahrer sie brauchen.
- Der Load-out braucht oft so viele Leute wie der Load-in, weil er in zwei bis vier Stunden nach Showende fertig sein muss.
- Load-in und Load-out am selben Tag sind wegen der 10-Stunden-Grenze im ArbZG meist zwei getrennte Calls.
Inhalt9
- 01Orientierungswerte nach Konzertgröße
- 02Die genaueste Quelle: der Labour Call
- 03Welche Rollen im Call stehen
- 04Load-in, Show und Load-out getrennt besetzen
- 05Arbeitszeit: ein Konzerttag, zwei Calls
- 06Open-Air-Konzerte: Bühne und Gelände zusätzlich
- 07Orientierungswerte: Stagehands im Load-in nach Konzertgröße
- 08Checkliste: Stagehands für dein Konzert planen
- 09Häufige Fragen
Orientierungswerte nach Konzertgröße
Die Tabelle in diesem Artikel ordnet typische Konzertformate einer Stagehand-Zahl im Load-in zu. Sie zählt nur lokale Stagehands, also die Leute, die Trucks entladen, Cases schieben, Bühnenelemente tragen und beim Aufbau von Licht, Ton und Video helfen. Die Tourcrew, Rigger und Staplerfahrer kommen dazu.
Die Spannen sind breit, weil zwei Konzerte in derselben Halle sehr unterschiedlich sein können. Eine Band, die nur Backline und ein kleines Lichtpaket mitbringt, braucht ein Drittel der Leute einer Produktion mit eigener Bühne, LED-Wänden und Pyrotechnik. Nimm den unteren Wert für Hausproduktionen mit vorhandener Technik und den oberen für Tourproduktionen mit eigenem Material.
Die genaueste Quelle: der Labour Call
Professionelle Tourproduktionen schicken einige Tage oder Wochen vor dem Konzert einen Labour Call an den örtlichen Veranstalter. Darin steht, wie viele Leute zu welcher Uhrzeit in welcher Rolle gebraucht werden, getrennt nach Load-in, Show und Load-out.
Wenn du einen Labour Call hast, ist die Frage nach der Zahl beantwortet. Deine Aufgabe ist dann, die Rollen richtig zu besetzen und die Zeiten einzuhalten. Frag beim Production Manager nach, wenn er fehlt oder unklar ist.
Ohne Labour Call, etwa bei kleineren Bands oder eigenen Veranstaltungen, schätzt du über drei Fragen: Wie viele Trucks oder Transporter kommen? Wird eine Bühne gebaut oder steht sie schon? Wie lang ist das Zeitfenster zwischen Ankunft und Doors? Wie Ankunft, Entladen und Aufbau zusammenhängen, steht im Ratgeber Load-in und Load-out.
Welche Rollen im Call stehen
Ein Labour Call unterscheidet meist zwischen diesen Rollen:
- Loader oder Truckloader: entladen und beladen die Trucks. Sie kennen Rampen, Hubwagen und die Reihenfolge, in der Cases aus dem Truck kommen.
- Stagehands: tragen und schieben Material zur Bühne und helfen beim Aufbau von Licht, Ton, Video und Backline.
- Up- und Down-Rigger: hängen Motoren und Traversen an die Hallendecke. Das ist Fachpersonal und kein Job für allgemeine Stagehands.
- Staplerfahrer: mit Fahrausweis nach DGUV Grundsatz 308-001 und schriftlicher Beauftragung.
- Runner: Besorgungen und Fahrten für die Produktion.
Zähle bei deiner Planung nur die Rollen, die du selbst stellen musst. Häufig bringt die Halle eigene Rigger und Staplerfahrer mit, dann bleiben Loader und Stagehands.
Load-in, Show und Load-out getrennt besetzen
Ein Konzerttag hat drei Phasen mit sehr unterschiedlichem Bedarf:
- Load-in: volle Besetzung nach Tabelle oder Labour Call, meist am Morgen. Nach dem Entladen bleibt oft nur ein Teil der Crew für Aufbauhilfe bis zum Soundcheck.
- Show: wenige Leute, häufig zwei bis sechs. Sie übernehmen den Umbau zwischen Support und Hauptact und stehen für Notfälle bereit. Wie so ein Umbau abläuft, erklärt der Ratgeber Changeover beim Konzert.
- Load-out: wieder volle Besetzung, oft sogar mehr als im Load-in. Abbauen geht schneller als Aufbauen, aber die Trucks müssen in zwei bis vier Stunden nach Showende vom Hof, weil die Tour weiterfährt.
Der Load-out ist die Phase, in der am häufigsten Leute fehlen. Plane ihn nicht mit dem Rest der Load-in-Crew, sondern mit eigener Besetzung.
Arbeitszeit: ein Konzerttag, zwei Calls
Ein typischer Arenatag beginnt um 7 Uhr mit dem Load-in und endet nach Mitternacht mit dem letzten Truck. Das sind 17 Stunden und mehr. Nach § 3 ArbZG darf aber niemand länger als 10 Stunden am Tag arbeiten, und ab sechs Stunden ist eine Pause von 30 Minuten Pflicht, ab neun Stunden 45 Minuten (§ 4 ArbZG).
Deshalb werden Load-in und Load-out bei größeren Konzerten fast immer als zwei getrennte Calls mit unterschiedlichen Leuten besetzt. Bei kleinen Clubshows, bei denen Load-in am Nachmittag und Load-out direkt nach der Show liegen, kann dieselbe Crew beides machen, wenn die Gesamtzeit unter zehn Stunden bleibt.
Plane die Pausen schon im Call ein. Wer sie spontan nehmen soll, nimmt sie im Load-in meist gar nicht und fehlt dann beim Soundcheck.
Open-Air-Konzerte: Bühne und Gelände zusätzlich
Bei einem Konzert unter freiem Himmel kommt zur Produktion noch die Infrastruktur dazu. Die Bühne wird meist an den Tagen vorher von einem Bühnenbauer gestellt, und das Gelände muss mit Bauzäunen, Wellenbrechern, Bannern und Fluchtwegbeschilderung vorbereitet werden.
Diese Arbeiten übernimmt keine Stagecrew, sondern eine Sitecrew. Rechne für ein Open Air deshalb zwei Zahlen: Stagehands nach Tabelle für die Produktion und Sitecrew für das Gelände. Wie du ein Festivalgelände mit mehreren Bühnen durchrechnest, steht im Ratgeber Wie viel Personal benötigt ein Festival?.
Ein Beispiel aus der Praxis ist das Konzert von Kraftklub im Ravensberger Park in Bielefeld: Dort war PH Personal Solutions mit 10 Leuten gleichzeitig im Einsatz, größtenteils beim Bühnenauf- und -abbau, und hat parallel das Gelände abgesichert. Für deine eigene Produktion findest du alles zur Stagecrew auf der Leistungsseite.
Orientierungswerte: Stagehands im Load-in nach Konzertgröße
Lokale Stagehands und Loader für den Load-in, ohne Tourcrew, Rigger und Staplerfahrer. Unterer Wert für Hausproduktionen, oberer für Tourproduktionen mit eigenem Material.
| Konzertformat | Club bis 500 | Halle bis 3.000 | Große Halle bis 8.000 | Arena ab 10.000 | Stadion / großes Open Air |
|---|---|---|---|---|---|
| Stagehands im Load-in (Orientierungswert) | 2–4 | 6–12 | 12–24 | 30–60 | 80+ über mehrere Tage |
Orientierungswerte, keine Vorgabe. Liegt ein Labour Call der Produktion vor, gilt dessen Zahl. Für den Load-out etwa gleich viele Leute einplanen, während der Show meist zwei bis sechs.
Checkliste: Stagehands für dein Konzert planen
Tippe die Punkte an, die du schon erledigt hast.
Häufige Fragen
Ein Labour Call ist die Personalanforderung einer Tourproduktion an den örtlichen Veranstalter. Er listet für jeden Zeitpunkt des Konzerttags auf, wie viele Loader, Stagehands, Rigger, Staplerfahrer und Runner gebraucht werden. Er kommt meist mit dem Rider oder einige Tage vor dem Termin vom Production Manager und ist die verbindlichste Grundlage für deine Crewplanung.