Das Wichtigste in Kürze
- Up-Rigger arbeiten im Dach und setzen die Punkte, Down-Rigger bereiten am Boden Motoren und Anschlagmittel vor, der Head Rigger verantwortet den Rigging-Plan.
- Rigging steht am Anfang jedes Load-Ins, weil nichts unter einem Punkt aufgebaut werden darf, der noch nicht hängt.
- Hängen Lasten über Personen, gelten verschärfte Regeln, zum Beispiel Kettenzüge der Klasse D8 Plus oder eine zusätzliche Sicherung.
- Im Dach ist PSA gegen Absturz Pflicht: Auffanggurt, Verbindungsmittel mit Falldämpfer und ein Helm mit Kinnriemen.
- Stagehands helfen beim Rigging am Boden, hängen aber selbst keine Lasten an.
Inhalt10
- 01Was ein Rigger macht
- 02Aufgaben nach Phase
- 03Ein typischer Tag als Rigger in der Arena
- 04Sicherheitsregeln im Arbeitsalltag
- 05Die PSA eines Riggers
- 06Welche Fähigkeiten im Alltag zählen
- 07Rigger, Stagehand, Bühnenbauer: die Abgrenzung
- 08Die Rollen im Rigging-Team
- 09Checkliste: Rigging-Call vorbereiten
- 10Häufige Fragen
Was ein Rigger macht
Rigging heißt, Lasten sicher aufzuhängen. Bei einem Konzert sind das Traversen mit Scheinwerfern, Line-Arrays, Videowände, Vorhänge oder Bühnendeko, die an Elektrokettenzügen unter dem Dach hängen. Der Rigger sorgt dafür, dass jeder Punkt an der richtigen Stelle sitzt, die Last tragen kann und richtig gesichert ist.
In größeren Produktionen teilt sich die Arbeit auf drei Rollen:
- Head Rigger: prüft den Rigging-Plan der Produktion, stimmt Lasten mit der Venue ab und teilt das Team ein.
- Up-Rigger: klettern in die Dachkonstruktion, legen Rundschlingen oder Stahlseile um die Träger und verbinden sie mit Schäkeln zum Hängepunkt.
- Down-Rigger: markieren die Punkte am Boden, bereiten Motoren, Ketten und Anschlagmittel vor und ziehen die Kette hoch zum Up-Rigger.
Wie man diese Qualifikation erwirbt, ist ein eigenes Thema, das der Artikel Rigger werden: Ausbildung und Lehrgänge ausführlich behandelt. Hier geht es um die Arbeit selbst.
Aufgaben nach Phase
Vorbereitung: Vor dem Einsatz bekommt das Rigging-Team den Rigging-Plan der Produktion mit allen Punkten, Lasten und Trim-Höhen. Der Head Rigger gleicht ihn mit den zulässigen Lasten der Halle oder des Bühnendachs ab und klärt offene Fragen mit Venue und Produktion.
Load-In: Rigging kommt zuerst. Down-Rigger messen die Punkte am Boden ein und markieren sie. Up-Rigger setzen die Punkte im Dach, unten werden die Motoren angeschlagen, die Ketten hochgezogen und eingehängt. Dann bauen Techniker und Stagehands die Truss am Boden vor, und die Lasten werden geflogen, also auf Arbeits- und später auf Showhöhe gefahren.
Show: Die Punkte hängen, der Rigger bleibt erreichbar. Bei Produktionen mit bewegten Lasten oder Flugelementen überwacht er die Fahrten.
Load-Out: Lasten ablassen, Technik abbauen, Motoren abschlagen, Punkte im Dach zurückbauen. Anschlagmittel werden auf Beschädigungen geprüft und aussortiert, wenn sie die Ablegereife erreicht haben.
Warum diese Reihenfolge gilt, erklärt der Artikel Load-In und Load-Out.
Ein typischer Tag als Rigger in der Arena
So kann ein Tag bei einer Arena-Show mit rund 40 Hängepunkten aussehen:
- 06:30 Rigging Call. Kaffee, Unterweisung zu Dachzugängen und Rettungskonzept der Halle.
- 06:45 bis 07:30 Down-Rigger messen Punkte am Boden ein, Up-Rigger steigen ins Dach und legen PSA an.
- 07:30 bis 11:00 Punkte setzen. Unten schlagen Down-Rigger und Stagehands Motoren an, die Kette geht nach oben, oben wird eingehängt und gesichert.
- 11:00 bis 13:00 Truss und Lautsprecher werden geflogen. Der Rigger kontrolliert jede Last auf Höhe.
- 13:00 Pause, danach Restpunkte, Abnahme durch den Head Rigger.
- 14:30 Ende der Aufbauschicht.
- 23:00 bis 01:30 Load-Out: Lasten ab, Punkte zurückbauen.
Die Arbeit im Dach ist körperlich hart. Wer stundenlang im Gurt hängt, braucht feste Pausen. Mit Load-Out kommen so rund 10 Stunden zusammen, mehr erlaubt das Arbeitszeitgesetz nicht. Bei längeren Aufbauten übernimmt deshalb ein zweites Team den Abbau.
Sicherheitsregeln im Arbeitsalltag
Rigging ist die gefährlichste Tätigkeit auf einer Produktion, weil Fehler sofort Leben kosten können. Rigger wenden deshalb jeden Tag dieselben Grundregeln an:
- Lasten über Personen: Grundlage sind die DGUV Vorschrift 17/18 für Veranstaltungs- und Produktionsstätten und die DGUV Information 215-313 „Lasten über Personen“. Hängt etwas über Menschen, braucht es Kettenzüge der Klasse D8 Plus oder bei D8-Zügen eine zusätzliche Sicherung wie ein Safety-Steel.
- Sperrbereich: Während Lasten gefahren werden, steht niemand darunter. Der Bereich wird abgesperrt und per Ansage freigehalten.
- Sichtprüfung vor jedem Einsatz: Schlingen, Stahlseile, Schäkel und Ketten werden vor Gebrauch geprüft. Beschädigtes Material wird sofort aussortiert.
- Lastgrenzen: Jeder Punkt muss zur Tragfähigkeit von Dach, Träger und Anschlagmittel passen. Im Zweifel wird nicht gehängt.
- Klare Kommunikation: Kommandos zwischen Dach und Boden laufen per Funk oder festgelegten Rufen, „Heads!“ heißt sofort raus aus dem Bereich.
Einen Überblick über alle Regeln beim Bühnenaufbau gibt der Artikel Sicherheitsvorschriften beim Bühnenaufbau.
Die PSA eines Riggers
Im Dach reicht die Grundausstattung der Stagehands nicht. Up-Rigger tragen PSA gegen Absturz:
- Auffanggurt nach DIN EN 361
- Verbindungsmittel mit Falldämpfer nach DIN EN 355, oft als Doppel-Verbindungsmittel, damit beim Umhängen immer ein Haken eingehängt bleibt
- Helm mit Kinnriemen, damit er beim Sturz oder Bücken nicht vom Kopf fällt
- Sicherheitsschuhe mit griffiger Sohle und Handschuhe
- Werkzeugsicherung: Schlüssel und Funkgerät hängen an Fangleinen, damit nichts nach unten fällt
Down-Rigger tragen Helm nach DIN EN 397, Sicherheitsschuhe und Handschuhe. PSA gegen Absturz gilt als Schutz gegen tödliche Gefahren. Nach DGUV Vorschrift 1 ist dafür eine Unterweisung mit praktischen Übungen vorgeschrieben, dazu gehört ein Rettungskonzept für den Fall, dass jemand im Gurt hängt.
Welche Fähigkeiten im Alltag zählen
Neben der formalen Sachkunde braucht ein Rigger Eigenschaften, die man nur in der Praxis lernt:
- Räumliches Denken: Punkte aus einem Plan im Dach wiederfinden, oft 20 Meter über dem Boden
- Rechnen unter Zeitdruck: Winkel bei Bridles, Lastverteilung auf Traversen und Punktlasten sicher abschätzen
- Höhenfestigkeit und Ausdauer: stundenlang auf Trägern und Laufstegen arbeiten
- Ruhe: Ein Rigger, der hektisch wird, macht Fehler, die man nicht korrigieren kann.
- Nein sagen: Passt ein Punkt nicht, wird nicht gezogen, egal wie knapp der Zeitplan ist.
Rigger, Stagehand, Bühnenbauer: die Abgrenzung
Rund ums Rigging arbeiten mehrere Rollen zusammen:
- Stagehand: bringt Motoren unter die Punkte, baut Truss am Boden vor und hilft beim Kettenhochziehen. Er schlägt aber keine Lasten an und arbeitet nicht im Dach. Mehr dazu in Was macht ein Stagehand?
- Hallenrigger: gehört zur Venue, kennt Dach und Lastgrenzen der Halle und gibt Punkte frei. Viele Hallen lassen nur eigene Rigger ins Dach.
- Tour-Rigger: reist mit der Produktion und verantwortet deren Rigging-Plan.
- Bühnenbauer: baut mobile Bühnen und Ground Support im Freien. Dort hängen die Lasten nicht am Hallendach, sondern an Türmen oder am Bühnendach.
- Veranstaltungstechniker: richtet die Technik ein, die der Rigger anschließend fliegt.
Für die Arbeit am Boden brauchst du eine eingespielte Stagecrew, die mit Kettenzügen und Truss umgehen kann. Sie macht den Rigging-Call schneller, auch wenn die Rigger selbst von Produktion oder Venue kommen.
Die Rollen im Rigging-Team
Ein Beispiel für die Arbeitsteilung bei einer Hallenproduktion.
| Rolle | Arbeitsort | Typische Aufgabe |
|---|---|---|
| Up-Rigger | im Hallendach oder Bühnendach | Hängepunkte setzen, Schlingen und Schäkel anschlagen |
Dazu kommen Down-Rigger am Boden und ein Head Rigger, der den Rigging-Plan verantwortet.
Checkliste: Rigging-Call vorbereiten
Tippe die Punkte an, die du schon erledigt hast.
Häufige Fragen
Ein Hängepunkt ist die Stelle im Dach oder an einer Konstruktion, an der eine Last befestigt wird. Meist besteht er aus einer Rundschlinge oder einem Stahlseil um einen Träger, verbunden mit Schäkeln. Daran hängt der Kettenzug, an dessen Haken wiederum Truss oder Lautsprecher hängen. Jeder Punkt hat eine maximale Last, die der Rigging-Plan festlegt.